Eine starke Sache

Zu den Feiertagen greifen Biergenießer gern zu Höherprozentigem aus den Sudkesseln der Brauereien. Das auch vorzüglich zu kräftigen Festbraten passt.

Im Mittelalter bereits schätzte man Bockbier als sättigendes Nahrungs- und sogar als kraftspendendes Heilmittel. Schon Hildegard von Bingen ermunterte im 12. Jahrhundert mit „cervisiam bibat“ zum medizinischen Biertrinken. Die entscheidende Rolle in der Geschichte der Bockbiere kommt den Klöstern zu. Die Mönche, gewöhnlich des Lesens und Schreibens kundig, waren in der Lage, die Kunst des Bierbrauens systematisch weiterzuentwickeln. Erfahrungen wurden gesammelt, Rezepturen schriftlich festgehalten und mit den Jahren verbessert. Bier galt in Klöstern als nahrhafte und vor allem schmackhafte Ergänzung der ansonsten eher kargen Kost. Zusätzlich war Bier wegen des Verbots des Essens während der Fastenzeit der beste Ausweg, sich strikt an die Regeln zu halten. Denn es galt: „liquida non frangunt ieunum“, was soviel heißt wie „Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Aus dieser christlichen Tradition, die mit der Adventszeit sowie der österlichen Bußzeit zwei Fastenzeiten vorsieht, stammen die heute beliebten Weihnachts- und Osterbockbiere.

Besonders beliebt in früheren Zeiten war ein Starkbier aus dem nördlichen Niedersachsen, aus der Hansestadt Einbeck, das seinen Weg zu den bayrischen Herzögen fand. Es war alkoholhaltig und damit monatelang haltbar und leicht zu transportieren. Sogar Martin Luther erfreute sich 1521 an einem Fass Einbecker Bier, das ihm der Herzog von Braunschweig als Trost und Stärkung geschickt hatte, da er vor den Reichstag in Worms zitiert wurde. Ab 1550 wurde das Starkbier regelmäßig nach Bayern importiert – es dauerte nicht lange, bis die Bayern aus dem „Ainpöckischen Bier“ das „Ainpockbier“, dann den „Oanbock“ und schließlich den „Bock“ machten. Weil das preußische Bockbier aufgrund der weiten Transportwege aber ein wahrer Luxusartikel war, entschied man sich in München dazu, es selbst und günstiger herzustellen. Dazu wurde 1612 das erste Hofbräuhaus Münchens, das „Braune Hofbräuhaus“ gegründet, den Braumeister selbst holte man direkt aus Einbeck.

Um heute den Namen Bockbier tragen zu dürfen, ist bei Bier ein Minimum von 16 % Stammwürze gefordert. Bockbiere sind generell sehr kräftig gebraute Biere, im Duft dicht, röstig und malzig. Insgesamt ist Bockbier am Gaumen wuchtig und voll, im Geschmack charakterstark und individuell. Aufgrund des höheren Alkoholgehalts kommen würzige, süßliche und fruchtige Aromen durch. „Außerdem stärkt ein Bock und wärmt durch den höheren Alkoholgehalt von über 7 Vol.%“, erklärt Stiegl-Braumeister Ernst Schreiner. Sein Original Stieglbock Jahrgang 2007 wurde bereits im August eingebraut und steht seit Anfang Oktober zum Genießen bereit: „Unser heuriger Bock besticht durch einen charaktervollen Antrunk, ist auf der Zunge mit feinen Röstmalz-Aromen hinterlegt und hat eine einschmeichelnde Finesse im Abgang“, beschreibt Schreiner seinen 2007er Bock. Tatsächlich gleicht kein Bock dem anderen. Ganz im Gegenteil.

„Bei Bockbier sind Jahrgangsunterschiede deutlicher spürbarer als bei konventionellem Bier“, so Biersommelier und Brauereibesitzer Peter Krammer von der Brauerei Hofstetten in Oberösterreich. „Unterschiede zeigen sich vor allem durch den Hopfenjahrgang. Mitte August bis Mitte September gibt es frischen Hopfen, der sofort zu Bockbier verbraut wird“, so Krammer. Und Ottakringer-Braumeister Andreas Rosa meint dazu: „Wie Kenner wissen, ist das Spannende am Bockbier, dass es jedes Jahr anders schmeckt. Das mag daran liegen, dass Bockbier nicht das ganze Jahr zu haben ist und damit beim Konsumenten nicht die Erwartung besteht, dass es immer gleich schmeckt“.











Tipp vom Braumeister

„Durch seine kräftige Geschmacksstruktur mundet Bockbier besonders gut zu geschmacksintensiven Gerichten, wie Wild oder Gansl oder aber sogar zu süßen Desserts,” so Stiegl Braumeister DI Ernst Schreiner.
„Bockbier eignet sich aber auch perfekt zum Verfeinern von Wildsaucen.”