Grillen macht durstig

Sommelier schreibt sich wie Sommer. Beim Grillen spielt die richtige Wahl des Getränkes eine ebenso wichtige Rolle wie sonst auch. Tipps und konkreten Rat finden Sie hier bei unseren Experten.

Er ist Teil meines Lebens, der G'spritzte. Die ersten Kontakte knüpften wir in frühen Jugendjahren im Südburgenland, wo es bei jeder Weinkellerrunde den echten G'spritzten gab, Weißwein aus dem Doppler, meist Welschriesling, dazu aus einer Siphonflasche kaltes Sauerwasser, wie das Soda dort noch genannt wurde. Einige Jahrzehnte später und älter begrüße ich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres am Markusplatz in Venedig mit einem Aperol Spritz, dem Kultgetränk aus Norditalien mit der so urtypischen österreichischen Bezeichnung.

Er hat immer Saison, der G'spritzte, steht für lustige Sommerparties genauso wie für gesellige Runden am warmen Badeteich. Er ist, so sagt das heimische Weingesetz, ein Weinmischgetränk aus mindestens 50% Wein und maximal 50% Soda oder Mineralwasser, das Endprodukt muss mindestens 4,5% Alkohol haben. Dass der G'spritzte viel mehr kann, für manche sogar eine Art Wissenschaft darstellt, hätten Sie aber wohl nicht gedacht.

Bei der richtigen Zubereitung eines G´spritzten scheiden sich die Geister: Welche Art von Wasser nimmt man? Was wird zuerst eingeschenkt - Wein oder Wasser? Die genaue Zubereitung des G´spritzten ist regional unterschiedlich, entscheidend ist auf jeden Fall - neben der Qualität des Wassers - die des Weines. Verwenden Sie auf keinen Fall alte, minderwertige oder gar fehlerhafte Weine, jede Beeinträchtigung wird durch Zugabe von Wasser und Kohlensäure noch intensiviert. Scheuen Sie sich hingegen nicht, einen preislich attraktiven, einfachen Landwein zu nehmen, eine Weinkategorie, die vielfach qualitativ unterschätzt wird, dennoch perfekt zum Spritzen passt.
Neben dem weißen G'spritzten, bevorzugt aus leichtem Grünen Veltliner oder Welschriesling, gibt es auch den roten G'spritzten, idealerweise aus Zweigelt oder leichtem Portugieser. Bei einem süßen G'spritzten, oder einer süßen Mischung, wird statt Wasser Kräuterlimonade verwendet. Als Kaiserspritzer wird ein G'spritzter mit einem Schuss Holunderblütensirup bezeichnet.

Die heimische Haubengastronomie schwört auf den Nobel-G'spritzten mit Gelbem Muskateller oder Sauvignon Blanc, wo sich die Exotik der Frucht wunderbar erfrischend über das perlende Wasser verbreitet. Der steirische Schilcher-G'spritzte ist ebenso eine Legende wie der Steinfeder Spritzer aus duftigem Wachauer Riesling.
Echte Snobs schwören auf die Variante, bei der Sekt oder gar italienischer Prosecco Frizzante statt Wein verwendet wird. Laut Weingesetz illegal, aber bei uns Genießern umso beliebter ist der Sommerspritzer mit zwei Teilen Wasser und einem Teil Wein.

In Deutschland kennt man unter Gespritzter eine Mischung aus Apfelwein und Mineralwasser. In traditionellen Apfelweinwirtschaften wird er in eigenen, gerippten Apfelweingläsern serviert und heute oft als Sauergespritzter bezeichnet, um ihn vom „Süßgespritzten“, der mit Limonade gemischt wird, zu unterscheiden. Den klassischen G'spritzten  nennen die Deutschen dagegen traditionell Schorle oder Weinschorle.
In Italien längst zum Szenegetränk erkoren wurde der Spritz, ein alkoholhaltiges Mixgetränk aus dem Veneto mit dem absolut unitalienischen Namen. Unter „uno spritz con aperol “ oder „con bitter” kennt man in jeder venezianischen Bar folgenden Aperitif: Ein Kelchglas mit Eiswürfeln gefüllt, Weißwein bis zur Hälfte, dann reichlich Likör oder Bitter, am Ende einen Spritzer Soda dazu, daher der Name. Serviert wird mit einer Olive oder Orangenscheibe. Als Likör oder Bitter verwendet wird Aperol, Campari, Cynar oder Pimm's, je nach bitter-Grad. Idealer Weißwein ist natürlich leichter Soave oder Pinot Grigio aus Italien, man kann aber auch Prosecco verwenden.

Zurück in Wien genießt man den einzigen G'spritzten Österreichs, der ausnahmsweise ohne Alkohol getrunken werden darf, dazu ist dieses Getränk einfach zu kultig: Das Obi G'spritzt. Benannt nach dem lange Zeit führenden Hersteller von Apfelsaft in Österreich ist diese Mischung aus Apfelsaft und Mineralwasser zum Gattungsbegriff geworden. Falls sich zum Abschluss jemand fragen sollte, was der G'spritzte mit der wienerischen Bezeichnung „a Gspritzter“ zu tun hat? Ein Gspritzter ist in Wien einer, der mit seinem Geld angibt, meistens jemand, der von Beruf „Sohn“ oder „Tochter“ ist, besser gesagt ein Angeber. Zu dem ein richtiger G´spritzter gar nicht passt. Zum Wohl!



Bierliebhaber leben derzeit in goldenen Zeiten. Sie dürfen – wann immer es ihnen beliebt – ein Glas Bier bestellen und werden dabei von niemanden mehr scheel angesehen. Auch Gourmetpäpste haben mittlerweile erkannt, dass Bier zu allen (!) Speisen hervorragend harmoniert, vorausgesetzt es handelt sich um die richtige Sorte!

Besonders gut schmeckt ein kühles Bier natürlich zu Gegrilltem. Grillen ist (meistens) Männersache, dauert seine Zeit und manche Grillchefs vergessen bei ihrer Tätigkeit, dass Bier nicht nur der Kehle gut tut, sondern auch den Speisen. Unzählige Gerichte erhalten durch Bier den letzten Pfiff! Aber das ist eine andere Geschichte. Bleiben wir beim Grillen! Mit Steaks und allen anderen Rindfleischsorten, aber auch mit Lamm korrespondiert am besten ein Zwickl, eine naturtrübe Bierspezialität. Bei hellem Fleisch wie Geflügel oder Fisch habe ich die besten Erfahrungen mit einem guten Weißbier gemacht, weil es sehr fruchtig schmeckt. Ein mild gehopftes Märzenbier passt aber wunderbar zu Kurzgebratenem, vor allem zu Schweinefleisch und zu allen Sorten von Grillwürsten.

Zu einer Grillparty gehört natürlich auch ein Aperitif. Warum nicht einmal Pils oder ein Weißbier servieren? Aufwändiger (aber köstlich) ist eine Weißbier-Fruchtbowle. Dafür werden Früchte mit Weißbier angesetzt und dann mit demselben Bier und Sekt im Verhältnis eins zu eins aufgegossen. Ihre Gäste werden begeistert sein!

Mein Tipp an die Grillmeister: Falls die Dame des Hauses meint, Sie würden langsam einen „Schwimmreifen“ ansetzen und sollten daher auf Ihr Glas Bier verzichten, dann erklären Sie ihr einfach: Bier macht – in Maßen genossen – nicht dick, denn Bier hat weniger Kalorien als die vergleichbare Menge Apfelsaft oder Limonaden und auch weniger als Wein. Aber fangen Sie bloß jetzt keine Diskussion an, sondern genießen Sie einfach Ihre Grillparty! Für mehr Sport oder weniger Schokolade ist immer noch morgen Zeit …

Wein-Tipp

G’spritzte
Mitten in den Weinbergen des Süd- burgenlandes aufgewachsen, beschäftigte sich Dr. Klaus Postmann - inzwischen längst Weinakademiker - als Einkäufer einer großen  Verbrauchermarktkette auch beruflich intensiv mit Wein. Heute setzt er sein Know How im Convenience-Geschäft um.

Bier-Tipp

Wahl ohne Qual
Ausgerechnet aus dem Weinviertel stammt Braumeister Dipl.-Ing. Ernst Schreiner, der seit 1975 für die Top-Qualität der Stiegl-Biere verantwortlich ist. Als begeisterter und talentierter Hobbykoch engagiert sich Schreiner seit Jahren intensiv für die Harmonie zwischen Speisen und Bier.